27.08.2026
„Ich bin zu unbeweglich für Yoga“ – der häufigste Irrtum
Beweglichkeit ist keine Voraussetzung für Yoga, sondern eine Folge davon. Warum der Satz vom Kopf her kommt und was in der ersten Stunde wirklich passiert.

Es ist der Satz, den ich am häufigsten höre, bevor jemand zum ersten Mal kommt: „Ich bin viel zu unbeweglich für Yoga.“ Meistens folgt darauf ein Beweis – die Zehen, die unerreichbar sind. Ich verstehe den Satz, aber er hat die Logik auf dem Kopf.
Beweglichkeit ist das Ergebnis, nicht die Bedingung
Niemand verlangt, dass du schwimmen kannst, bevor du zum Schwimmkurs kommst. Bei Yoga sind wir merkwürdigerweise überzeugt, dass wir eine Fähigkeit mitbringen müssten, die wir uns dort erst holen wollen. Beweglichkeit ist keine Eintrittskarte. Sie ist das, was mit den Wochen kommt, wenn du regelmäßig übst.
Im sanften Hatha Yoga, das ich unterrichte, werden die Übungen langsam und bewusst ausgeführt. Das ist kein Kompromiss für Anfänger, sondern der Kern der Sache: nur langsam merkst du überhaupt, was dein Körper gerade macht. Jede Haltung hat Varianten – mit Block, an der Wand, auf dem Stuhl, mit gebeugten Knien.
Woher der Satz wirklich kommt
Wenn ich nachfrage, geht es selten um die Zehen. Es geht um die Sorge, sich vor anderen zu blamieren. Vor einer Reihe von Menschen, die alle wissen, was sie tun, während man selbst wackelt. Diese Sorge ist berechtigt – in einem Kurs mit dreißig Leuten in drei Reihen.
Deshalb sind bei mir höchstens acht Plätze pro Stunde. Ich sehe jede und jeden einzeln, und ich sehe, wenn eine Haltung nicht passt. Dann sage ich eine Variante an, ohne dass du fragen musst. In einer Gruppe dieser Größe geht niemand unter, aber es starrt auch niemand.
Was in der ersten Stunde passiert
Du kommst ein paar Minuten früher, wir sprechen kurz – ob du Beschwerden hast, was ich wissen sollte. Dann liegst du erst einmal, wir kommen über den Atem an. Danach bewegen wir uns durch einfache Haltungen, mit Zeit zwischen den Übungen. Am Ende zehn Minuten Ruhe auf dem Rücken, zugedeckt. Nichts davon ist spektakulär, und genau das ist der Punkt.
Wenn du es ausprobieren willst, gibt es eine Probestunde. Die Termine stehen im Stundenplan der offenen Kurse. Falls du magst, schreib mir vorher kurz, dass du zum ersten Mal kommst – dann achte ich besonders auf dich.